Evangelikale nicht verharmlosen

22.09.2009: Leserbrief zum Artikel „Fragwürdig“, EZ vom 13.09.2009, S. 7

Die Kritik der EKD an dem im Bericht erwähnten ZDF-Beitrag über die Aktivitäten evangelikaler Christen ist für mich völlig unverständlich. Der Beitrag stellt, anders als von der EKD dargestellt, christliche Märtyrer keinesfalls auf eine Stufe mit islamistischen Selbstmordattentätern. Kritisiert wird aber, dass offenbar einige evangelikale Gruppierungen den Tod junger Missionarinnen und Missionare sehenden Auges in Kauf nehmen bzw. diesen gegenüber den Tod während der Missionierung in einem islamischen Land als erstrebenswerte Opferung des eigenen Lebens vermitteln. Ist das das Verständnis der EKD vom christlichen Märtyrertod? Jungen Menschen zu vermitteln, ihr Leben sei ihnen von Gott geschenkt, damit sie es bei riskanten Missionsreisen in islamische Länder leichtfertig aufs Spiel setzen? Die EKD sollte meines Erachtens stärker den Wert und die Einmaligkeit des menschlichen Lebens betonen und Jugendlichen vermitteln, dass sie Gott sehr vielfältig dienen können, ohne das eigene Leben aufs Spiel zu setzen.

Auch die allgemein gehaltene Kritik der EKD, evangelikale Christen würden zu negativ in den Medien dargestellt, halte ich für unangebracht. Statt die Medien für ihre Berichterstattung über diese teilweise extremistischen Gruppierungen zu kritisieren, sollte die EKD die problematischen Positionen einiger evangelikaler Gruppen stärker als bislang kritisieren.
So wichtig die Einheit der Kirchen ist: Wenn Evangelikale Homosexuellen das Menschsein absprechen bzw. sie als kranke Menschen diffamieren, wenn Evangelikale Frauen die gleichen Rechte wie Männern absprechen und wenn diese Gruppen ein partnerschaftliches und respektvolles Verhältnis zum Islam in Frage stellen, dann berühren diese Positionen die Grundwerte der evangelischen Kirche.
Mit dem Gebot christlicher Nächstenliebe und dem Glauben daran, dass Gott alle Menschen liebt, lassen sich diese extremistisch-evangelikalen Anschauungen jedenfalls nicht in Einklang bringen.

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