Reserveantibiotika müssen dem Menschen vorbehalten bleiben Limburg: „Letzte Pfeile im Köcher nicht verschießen“

Obwohl der Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung inzwischen zurückgeht, kann bei diesem Thema nach Auffassung der Grünen noch längst keine Entwarnung gegeben werden. „Wir haben zwei gegenläufige Tendenzen“, erklärt der Grüne Landtagsabgeordnete Helge Limburg. „Die absolute Menge des Antibiotikaeinsatzes in der Tiermedizin sinkt, aber gleichzeitig steigt der Einsatz von sogenannten Reserveantibiotika, die unbedingt dem Menschen vorbehalten bleiben müssen.“

 Als Reserveantibiotika werden Wirkstoffe bezeichnet, die in der Humanmedizin grundsätzlich nur dann eingesetzt werden sollen, wenn andere Präparate aufgrund von Multiresistenzen nicht mehr wirken. Diese Präparate sollen der Tiermedizin künftig nicht mehr zur Verfügung stehen, fordern die Grünen in einem gemeinsamen Entschließungsantrag mit der SPD, den sie am Freitag (18. September 2015) in den Landtag eingebracht haben.

 „Wenn wir diesen oftmals letzten Pfeil im Köcher im Kampf gegen multiresistente Bakterien verschießen und auch gegen diese Wirkstoffe durch unsachgemäßen Einsatz Multiresistenzen heranzüchten, dann haben wir ein ernsthaftes Problem: Infektionen können dann nicht mehr behandelt werden und werden lebensbedrohlich. Das darf auf keinen Fall passieren“, fordert der Grüne Abgeordnete.

 Hintergrund:

Der Entschließungsantrag von SPD und Grünen sieht eine Dreiteilung der Antibiotika-Wirkstoffe vor: Neben den bisher üblicherweise in der Tierhaltung und im Humanbereich eingesetzten Wirkstoffen die Gruppe der Reserveantibiotika. Zudem soll es auch für die Tierhaltung eine Reserve geben, die unter strengen Vorgaben nur zum Einsatz kommen darf, wenn andere Präparate nicht mehr wirken. Ob eine solche Dreiteilung umgesetzt wird, hängt aber vom Bund ab, der für diesen Bereich als Gesetzgeber zuständig ist.

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