Limburg: “Klimapolitisch nicht zu verantworten!” Grüne gegen Moorzerstörung im Landkreis Nienburg

“Im Torf sind große Mengen CO2 gebunden. Aus Gründen des Klima- und Naturschutzes müssen wir die letzten Moorflächen daher schützen, statt sie zu zerstören. Eine Freisetzung des Klimagases durch den landwirtschaftlichen Umbruch ist nicht zu verantworten und widerspricht der Rechtslage”, erklärte der regionale Landtagsabgeordnete Helge Limburg. 

Zusammen mit dem natur- und agrarpolitischen Sprecher der Grünen Landtagsfraktion Christian Meyer hat Limburg daher jetzt eine Anfrage an die Landesregierung zum von der Landwirtschaftskammer geduldeten Umbruch von Dauergrünland im Landkreis Nienburg gestellt. Seit 2009 gilt in Niedersachsen eigentlich ein landesweites Verbot der Umwandlung von Grünland in Ackerland. Grund war der Verlust von mehr als 5 Prozent Dauergrünland innerhalb weniger Jahre und eine Einschreiten der Europäischen Union zum Schutz dieser wertvollen Lebensräume. 

“Bereits 95 Prozent aller Moore in Niedersachsen sind unwiderruflich zerstört. Die letzten Moorböden dürfen jetzt nicht auch noch dem Pflug zum Opfer fallen”, sagte Christian Meyer und verwies auf die Klimaziele. “Alle reden über künstliche CO2-Speicher und Treibhauseffekt, aber unsere natürlichen CO2-Speicher die Moore werden der Zerstörung preisgegeben. Das darf nicht sein. In 15 cm dickem Torf ist auf der gleichen Fläche mehr CO2 gebunden als in einem 100-jähriger Wald.” Bei den Umbruchmaßnahmen im Lichtermoor sollen nach Berichten von Naturschützern durch Bagger und Tiefpflügen mehr als 15 ha Moorboden von bis zu 1,50 Meter gekuhlt und planiert worden sein. “Das ist keine Erneuerung der Grasnarbe, wie die Landwirtschaftskammer behauptet, sondern eine massive Zerstörung des Torfkörpers”, so Limburg. 

Die Grünen im Landtag fordern daher eine grundsätzliche Beendigung des Torfabbaus und ein Schutzprogramm für die letzten Moore in Niedersachsen. Die CDU/FDP-Landesregierung habe jedoch in ihrem Entwurf für ein neues Landesraumordnungsprogramm mehr als 3000 ha Moor zusätzlich für die Torfindustrie freigegeben. “Das ist Frevel an unserer Umwelt und widerspricht allen hehren Klimazielen”, so die grünen Abgeordneten. In ihrer Anfrage an die Landesregierung kritisieren sie besonders die fehlende Einbindung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Ihrer Meinung nach hätte sie bei der Genehmigung des Umbruchs beteiligt werden müssen. Die Grünen fragen nun nach weiteren Fällen des Umbruchs von Moorböden im Landkreis Nienburg seit Oktober 2009 und warum diese keine Verstöße gegen das von der EU erzwungene Umbruchverbot darstellen. Die Grünen lehnen den Umbruch von Grünland in Ackerland insbesondere auf wertvollen Moorböden strikt ab. “Gerade für Milchvieh- und Rinderhalter wollen wir über eine Weideprämie bessere Perspektiven zur Grünlandnutzung und artgerechten Freilandhaltung schaffen. Daher wollen wir artenreiches Grünland erhalten und nicht zerstören”, so Meyer. Die Vorkommnisse im Landkreis Nienburg passen nicht zu diesem Leitbild. In der Regel werden Anfrage an die Landesregierung innerhalb von vier bis sechs Wochen beantwortet. 

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