Atommülllager Leese Grüne kritisieren Verzögerungen bei Fass-Auslagerungen

Die Auslagerung der Alt-Fässer mit radioaktiven Abfällen aus dem Lager Leese ist mittlerweile über ein Jahr verzögert. Mitte 2019 sollte die Nachbehandlung und Umverpackung der Abfälle beginnen, so hatte es Umweltminister Olaf Lies vor zwei Jahren angekündigt. Die grünen Landtagsabgeordneten Helge Limburg und Miriam Staudte wollen nun mit einer umfänglichen Landtagsanfrage erfahren, warum der Abtransport der 1.484 Fässer der ehemaligen Landessammelstelle Steyerberg stockt und wie genau die Auslagerung aus der beengten Lagerhalle erfolgen soll.


Helge Limburg, grüner Landtagsabgeordneter für Nienburg, zeigt sich irritiert von den Erklärungsversuchen des niedersächsischen Umweltministeriums: "Corona kann nicht der wesentliche Grund sein, warum es mit dem Abtransport der Fässer nicht vorangeht. Im Lager Leese besteht dringender Handlungsbedarf, doch seit zwei Jahren ist das SPD-geführte Umweltministerium nicht in der Lage, ein konkretes Konzept für die Auslagerung und die Nachbehandlung der Fässer vorzulegen." Die Zwischenlagerung in Leese entspricht nicht den heutigen Sicherheitsanforderungen. Die Fässer stehen so eng, dass eine Sichtkontrolle kaum möglich ist. Mehrere Fässer haben bereits Roststellen oder geblähte Deckel. Unklar ist bislang auch, ob diese Problemfässer bevorzugt geborgen werden sollen.


Die grüne Atom-Expertin Miriam Staudte will vor allem wissen, wo die Atomabfälle aus Leese nach der sogenannten Nachqualifizierung gelagert werden sollen: "Es fehlt ein Konzept für einen sicheren Umgang mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in Niedersachsen. Die Lagerbedingungen in Leese sind völlig ungenügend. Die Atomaufsicht räumt ein, dass die Abfallbehältnisse möglichst nicht nach Leese zurück sollen. Aber einen Plan B kann das Land nicht vorweisen. Zuletzt hat Umweltminister Lies auf das geplante Zwischenlager Würgassen verwiesen, das in NRW unmittelbar an der niedersächsischen Landesgrenze geplant ist. Doch dort regt sich erheblicher Widerstand, weil die Standortauswahl mit fragwürdigen Kriterien begründet wird. Außerdem soll dort nur ein Bereitstellungslager eingerichtet werden, das Abfälle nur kurzfristig bis zur Verschickung in das Endlager aufnimmt. Vor einem Endlager wird ein Bereitstellungslager den Betrieb nicht aufnehmen. Das Ganze ist also Augenwischerei." Die Leese-Fässer sollen nach der Neukonditionierung in Endlager-Container eingestellt werden sollen, wodurch die Abfälle dann mehr Platz benötigen. Doch Platz ist Mangelware im Lager Leese und der Pachtvertrag für die Lagerhallen ist ohnehin bis zum Jahr 2030 befristet.


Das Land hatte zudem eingeräumt, dass neben den 1.484 Steyerberg-Fässern auch die 3.400 Fässern aus Beständen der Nuklear-Firma GE behandlungsbedürftig sind. Denn auch diese Fässer sind für eine sichere Zwischenlagerung ungeeignet. Ein Konzept oder Zeitplan für den Umgang mit den GE-Fässern wurde bislang nicht vorgelegt.

Zurück zum Pressearchiv