Keul besucht mit Gästen die Pulverfabrik in Liebenau

 

Dem über 80 Mitglieder zählenden Liebenauer Verein gehören auch Keul und ihr Landtagskollege Helge Limburg an. Ihrem Ziel, eine Gedenkstätte zu errichten, sind die Vereinsmitglieder in diesem Jahr ein gutes Stück näher gekommen. Die Überlassung eines Gebäudes konnte vereinbart werden. 

Bei der Besichtigung wurde das riesige Areal, auf dem früher annähernd 400 Bauten standen, im Autokonvoi durchfahren. 

Guse berichtete über die streng nach nationalsozialistischer Rassenideologie gegliederte Hierarchie in der kriegswichtigen Produktions- und Gefangenen-Anlage. Am untersten Ende standen die östlichen „Untermenschen“. Aber auch Italiener wurden von einem Tag auf den anderen als „Verräter“ in Sippenhaft genommen, als Italien aus der Allianz mit Nazi-Deutschland ausscherte. 

Das „Menschenmaterial“, so die damalige Diktion, wurde mit härtester Arbeit bei dürftigster Ernährung für die Kriegsproduktion regelrecht „verbraucht“. Guse berichtete von den Erschießungen im Lager. Anhand von Einzelschicksalen machte er die Unmenschlichkeit deutlich, die letztlich etwa 2000 Menschen das Leben kostete und er schilderte bewegt die Zusammentreffen mit überlebenden Opfern. Ein Gefühl der Beklemmung nahmen viele von Keuls Gästen mit nach Hause, angesichts der Ausweglosigkeit, die die tausenden Internierten empfunden haben müssen. 

Guse, der zahlreiche Begegnungen von Jugendlichen mit ehemaligen Insassen des Liebenauer Lagers organisiert hat, dankte den Grünen für ihren Einsatz für ein Zwangsarbeitsentschädigungsgesetz. Dies sei für viele Opfer eine späte Genugtuung am Ende ihres Lebens gewesen. Heute organisieren Guse und sein Verein regelmäßige Begegnungen von Jugendlichen aus Deutschland und vor allem der Ukraine, aus der viele, teilweise erst 14 Jahre alte Jugendliche in die Liebenauer Fabrik deportiert wurden. 

Keul forderte zum Schluss auf „dafür einzustehen, dass so etwas nie wieder geschieht“. Ihre Gäste lud sie ein, an den Aktionen gegen den Nazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf teilzunehmen. „Wer da hin will, wird auch hinkommen. Mein Wahlkreisbüro leistet Ihnen jede mögliche Hilfe.“ 

 

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